19.11.2010 18:14

Stadtumbau West, Saarlouis - Fraulautern

Städtebauliches Entwicklungskonzept der Stadt Saarlouis für Roden und Fraulautern. Sachstand 01.01. 2012: Projekt liegt z. Zeit auf "Eis" Alle Geldmittel werden für Prjekte in der Innenstadt benötigt.

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Planungskonzept

  • Teilräumliches Konzept für Roden und Fraulautern-

Stellungnahme der IFBV - Interessengemeinschaft Fraulauterner Bürger und Vereine e.V.

sowie

die FOG - Fraulauterner Ortsinteressengemeinschaft für Handel, Handwerk und Gewerbe e.V.

http://www.fraulautern.eu/uploads/media/Stellungnahme-2010-11-24.pdf

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Bürgerinformation für den Stadtteil Fraulautern!

Der Sachstandsbericht der Fa. FIRU (Kaiserslautern) vom 10. Juni 2010 zeigt erheblichen Stadtumbaubedarf in funktionaler und in struktureller Hinsicht auf.
Wir haben den Sachstandsbericht analysiert und die Schwerpunkte für Fraulautern identifiziert.

Die Schwerpunkte betreffen die Nutzungskonflikte und den Verkehr,
die Aufschlüsselung erfolgte in die Bereiche:

  • Stadtteilzentrum,
  • Verkehr und Infrastruktur
  • Begrünung und Soziales.

Auszüge aus dem Sachstandsbericht
 Stadtteilzentrum:

1. Handlungsbedarf besteht  sowohl in funktionaler als auch in struktureller Hinsicht. Vor allem Bauzustand (vielfach Stadtbildprägende Bausubstanz, aber z.T. erheblicher Modernisierungsstau), Wohnumfeld, Nutzungskonflikte und Verkehr erfordern Lösungen.

2. Das Stadtteilzentrum ist als solches und als "sozialer Treffpunkt" kaum erlebbar.

3. Um den Ortskern des Stadtteils Fraulautern mit der momentan mischgenutzten Struktur langfristig zu erhalten und zu stabilisieren, kommt der Ausbildung eines erlebbaren Mittelpunktes mit durchgrünten Aufenthaltsund Kommunikationsbereichen eine hohe Bedeutung zu.

4. Die differenzierte Nutzungsstruktur führte bisher vielfach zu Nutzungskonflikten innerhalb des Stadtumbaugebietes. Diese entstanden durch unmittelbar an die Wohnbebauung herangerückte Gewerbe- und Industriebetriebe sowie durch Belastungen mit von den Betrieben verursachten Quell- und Zielverkehren (v.a. Bahnhofstraße, Güterbahnhofstraße und Lebacher Straße). Zur Entschärfung der Problematik haben die großen Betriebe bereits verschiedene Maßnahmen durchgeführt. So wurden beispielsweise emittierende Teilnutzungen von den Wohngebieten Richtung Güterbahnhof wegverlagert.

5. Durch geplante verkehrliche Maßnahmen könnten zukünftig durch die Betriebe verursachte verkehrliche Belastungen verringert werden. Eine Maßnahme stellt z.B. die Herstellung eines Anschlusses an die B 51 im Bereich der Betriebe Nedschroef und Verzinkerei Becker dar.

6. Der Bauzustand der Gebäude entspricht im Stadtumbaugebiet in vielen Bereichen noch dem Nachkriegszustand

7. Es steigt die Gefahr von Leerständen bzw. des sozialen Abstiegs im Stadtteilzentrum

8. Es ergibt sich die Notwendigkeit, die Bausubstanz innerhalb des Stadtumbaugebietes aufzuwerten und an die bestehenden Wohnbedürfnisse anzupassen und damit die Attraktivität der alten Ortskerne als Wohnstandorte zu erhöhen, langfristig zu sichern und einer steigenden Leerstandsquote vorzubeugen.

9. Fehlende Grünstrukturen in den privaten Vorzonen sowie geringe Gestaltqualitäten der gebietsinternen Wohn- und Hauptstraßen mit fehlender Straßenraumbegrünung wirken sich negativ auf das Wohnumfeld aus.

10. Eine fehlende Straßenraumgestaltung wirkt sich vor allem in dem Stadtteilzentrum negativ auf deren Attraktivität aus.


Auszüge aus dem Sachstandsbericht
Verkehr und Infrastruktur:

1. Betroffen ist das Ortszentrum des Stadtteils Fraulautern, welches durch die Verkehrsbedingten Belastungen, aber auch die unattraktive Straßenraumgestaltung, in seiner Funktionsfähigkeit gefährdet wird.

2. Lärm und Abgase mindern die Aufenthaltsqualität deutlich. Verkehrsregelnde wie auch bauliche und gestalterische Maßnahmen sind erforderlich.

3. Die hohe Verkehrsbelastung i.V. mit nicht entsprechend ausgebauten Verkehrsknotenpunkten führt dazu, dass sich der Verkehr insbesondere am Knotenpunkt Lebacher Straße - Bahnhofstraße staut (Eisenbahnbrücke).

4. Zudem entstehen Unfallschwerpunkte. Dies ist im Bereich der Kreuzung Bahnhofstraße / Brückenstraße der Fall.

5. Der Integrierte Entwicklungsplan Lärm + Verkehr verdeutlicht den dargestellten Handlungsdruck: Für die Bereiche Bahnhofsstraße, Rodener Straße, Lebacher Straße, Saarbrücker Straße und Ulanenstraße wird eine unverträgliche Kfz-Ausgangsbelastung mit hoher bis sehr hoher bzw. deutlicher Überlastungswirkung festgestellt

6. Durch Verschneiden der Verkehrsempfindlichkeitsstufen mit der Lärmbetroffenheit zeigt der Entwicklungsbedarf innerhalb der Lebacher Straße / Saarbrücker Straße / Ulanenstraße ein erhöhtes bis starkes Gesamtkonfliktpotenzial.

7. Die Öffnung des Ostrings (nordöstlich des Stadtumbaugebietes Roden/Fraulautern) kann zu einer Entlastung der beiden Stadtteile führen.

8. Der bisherige Ausbau der B 51 neu führt derzeit noch zu keiner signifikanten Entlastung - insbesondere des Stadtteilzentrums von Fraulautern - da die Straße nicht in ausreichendem Maße angenommen wird. Hier sind ggf. Verkehrslenkungsmaßnahmen erforderlich.

9. Eine hohe punktuelle Belastung der Wohnnutzung durch Liefer- bzw. Lkw-Verkehre zeigt sich zudem im Bereich der Güterbahnhofstraße sowie dem sich unmittelbar anschließenden Abschnitt der Lebacher Straße auf Grund des dortigen gebietsinternen Gewerbeschwerpunktes.


11.  Eine geringe Gestaltqualität der öffentlichen Plätze sowie das Fehlen von Aufenthalts bzw. sozialen Treffpunkten im öffentlichen Raum und die unausgeschöpften Gestaltungsspielräume bzw. die ungünstige Lage der gebietsinternen Kinderspielplätze  Kreuzungsbereich Lebacher Straße / Bahnhofstraße / Saarbrücker Straße) beinträchtigen die Wohnqualität in den Quartieren.

Auszüge aus dem Sachstandsbericht
Begrünung und Soziales

1. In Fraulautern existiert lediglich eine größere Grünfläche in Form des Friedhofs.

2. Innerhalb des Stadtumbaugebietes liegt lediglich ein Gehölzstreifen mit Kinderspielplatz entlang der Lebacher Straße. Der Spielplatz ist damit - wenn auch nicht auf gleichem Höhenniveau - unmittelbar an dem stark befahrenen Kreuzungsbereich Lebacher Straße / Bahnhofstraße / Saarbrücker Straße gelegen und weist entsprechend eine hohe verkehrliche Belastung und geringe Aufenthaltsqualität auf.

3. Der größtenteils versiegelte und kaum gestalte Freibereich bzw. Schulhof ist bislang zwar als Bolzplatz nutzbar, bietet Kindern und Jugendlichen insgesamt aber kaum Anreize zur Nutzung außerhalb der Schulzeit. Insbesondere auf Grund der fehlenden Freiflächen und Aufenthaltsbereiche im Ortskern von Fraulautern stellt die Fläche damit ein Potenzial zur Erhöhung der Freizeitqualität für Kinder und Jugendliche dar.

4. Die geringen Gestaltqualitäten der gebietsinternen Wohn- und Hauptstraßen mit fehlender Straßenraumbegrünung wirken sich negativ auf das Wohnumfeld aus. Eine fehlende Straßenraumgestaltung wirkt sich vor allem negativ auf deren Attraktivität aus.

5. Das Betreute Wohnen ist auf Grund der Randlage jedoch von den beiden Ortskernen abgeschnitten, die Trennwirkung wird verstärkt durch die stark befahrene Bahnhofstraße sowie die Bahnlinie. Um die sozialen und kulturellen Einrichtungen des näher gelegenen Ortskerns von Fraulautern zu erreichen müsste der stark befahrene Knotenpunkt Fraulauterner Brücke gequert werden.

6. Die bestehende Fußgängerunterführung weist allerdings gestalterischen Handlungsbedarf auf.

7. Weitere spezielle Wohnformen oder barrierefreie Wohnanlagen für die ältere Bevölkerung sind nicht vorhanden. Zwar liegt der Anteil der älteren Bevölkerung in Fraulautern zurzeit im bzw. unter dem städtischen Durchschnitt, dennoch werden vor dem Hintergrund eines insgesamt steigenden Seniorenanteils künftig verstärkt Quartiersbezogene Wohnkonzepte für diese Altersgruppe in integrierten Lagen mit einer guten Ausstattung des Wohnumfeldes nachgefragt werden und innovative Ansätze zur Integration in die Stadtteile und zur Förderung des Austausches zwischen den Generationen erfordern.

8. Die Nachfrage nach Wohnraum in Fraulautern ist ähnlich wie im gesamtstädtischen Trend rückläufig


9.  Ein Bedarf für Neubaugebiete in Fraulautern lässt sich nicht nachweisen. Handlungsbedarf besteht im Stadtumbaugebiet Fraulautern vorrangig bezüglich der Aufwertung der Wohnqualität.

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Warum hat der Stadtteil Saarlouis - Fraulautern kein Zentrum und eine so schlechte Infrastruktur?

Eine Kurzfassung

1. Mit der Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung im Jahr 1936 und der Neu-Gründung der Stadt Saarlautern, wurde die Verantwortung von Infrastrukturmaßnahmen von der Gemeinde Fraulautern auf  den Stadtrat von Saarlautern übertragen.
 
2. Unser Stadtteil wurde durch den 2. Weltkrieg zu 90% zerstört. Am 14. Juli 1945 wurde Saarlautern, durch die französische Militärverwaltung, in Saarlouis umbenannt.

3. Laut Menkesplan sollte Roden und Fraulautern nicht mehr aufgebaut werden. Jedoch gegen den Willen der Verwaltung wurde der Wiederaufbau von den Bürgern getätigt. Wichtige Infrastrukturen wurden durch Kriegseinwirkungen zerstört und nicht wieder hergestellt (Gebäude, Baumbestände und Grünflächen).

4. Alternativ zur geplanten Ostumgehung, durch den Kölner Baudirektor Arnzt, wurden 1955 in der Lebacher Straße Wohn- und Geschäftshäuser abgerissen, um die heutige B405 und B51alt der neuen Eisenbahnbrücke zuzuführen.
Unser seit Jahrhunderten bestehender Marktplatz wurde für diese Maßnahme  zusätzlich geopfert.

5. 1985 wurde die Ostumgehung nur teilweise umgesetzt. Die Jahnstraße und die Kohlbrunnenstraße wurden an die Teilstücke der Ostumgehung angebunden. Ein Gewerbegebiet ?Ost? wurde eingerichtet. Durch dieses Projekt der Stadtplanung wurde die Ostumgehung durch die Wohngebiete erschlossen. (Jahnstraße, Schachtstraße, Hülzweiler Straße und Kohlbrunnenstraße)

6. Die Landstraße L343 von und nach Hülzweiler mündete in die B51 alt, in die Saarbrücker Straße. Als die B51 neu gebaut wurde, hat man die L 343 nicht angebunden, obwohl die Gelder bereitgestellt waren. Gegenüber der Planung wurde die B51 neu von der Brückenstraße bis zur Hohenzollern Straße erweitert.

7. Als die Rodener Straße 2002 als Haupterschließungsstraße zwischen B 405 über den Stadtteil Steinrausch zur A 8 ausgewiesen wurde, waren die Fakten hergestellt. Das Ergebnis: Unzumutbare Verkehrszustände im Stadtteilzentrum von Fraulautern.

Fazit:

  • Der Bau des neuen Vereinshauses (1992) und das Gebäude der Stadtsparkasse ist als einziger positiver städtebaulicher Akzent der letzten 60 Jahre zu nennen.
  • Die erforderliche Infrastruktur wurde nicht nachgeführt und trägt die Handschrift des 19. Jahrhunderts.
  • Mit der Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung 1936 wurde die aktive Ortsentwicklung in Fraulautern beendet.
  • Die Fokussierung der Stadtentwicklung liegt nicht auf den Stadtteilen.
  • Es fehlt bisher der politische Wille, die Verantwortung für diese Mängel zu übernehmen und zu korrigieren.

 

Information der FOG e.V und IFBV e.V. Fraulautern

Brief an alle Mitglieder des Stadtrates der Stadt Saarlouis vom 14.12.2010

Der "Sachstandsbericht Stadtumbau West, teilräumliches Konzept Roden / Fraulautern" liegt seit dem 10.06.2010 den Fraktionen vor und wurde veröffentlicht.

Dort wird festgestellt, dass ein erheblicher Handlungsbedarf in funktionaler als auch in struktureller Hinsicht für die Stadtteile Roden und Fraulautern besteht. Eine Entwicklung fand dort nicht statt, da bisher der Fokus auf die Innenstadt gelegt wurde.

Dies wird eindrucksvoll untermauert durch bisher realisierte Projekte wie die Neugestaltung des Kleines Marktes (ca. Euro 6 Mio.) und die Umstellung des Hallenbades auf Ganzjahresbetrieb (ca. Euro 1,5 Mio.).
Alle zurzeit in Planung und in Diskussion befindlichen Projekte in Höhe von geschätzten Euro 33 Mio. betreffen ebenfalls nur die Innenstadt:

  • Umbau Theater Am Ring
  • Neugestaltung Schlachthofgelände
  • Insel Stadtgarten, mit Öffnung des Saaraltarm
  • Erweiterung Stadthalle
  • Neubau Schwimmbad

Die beiden vorhandenen Schwimmbäder erwirtschaften ca. Euro 1 Mio. Verlust pro Jahr, der durch ein weiteres Bad voraussichtlich entsprechend steigen würde.
Im Hinblick auf die langfristigen Verbindlichkeiten der Stadt von ca. Euro 40 Mio. empfehlen wir im allgemeinen Interesse, andere Lösungen zu diskutieren wie z.B. der Anbau eines Außenbeckens an das Hallenbad.

Generell bitten wir Sie als verantwortliches Mitglied des Stadtrates, bei zukünftigen Projekten die Belange aller Stadtteile nach Dringlichkeit und Notwendigkeit zu entscheiden.
Um die Unzufriedenheit in den Stadtteilen zu beenden, schlagen wir vor, den Fokus auf die Innenstadt auf ein angemessenes Maß zurückzunehmen.

Den Sachstandsbericht und unsere Stellungnahme finden Sie auf unserer Internetseite www.fraulautern.eu

Wir hoffen auf Ihr Verständnis.


Josef Feiler
Vorsitzender der IFBV e.V.
Im Auftrag des Vorstandes